Konzert des Barockbläserensembles am 22.10.2017 in der evangelischen Kirche Pfeddersheim

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Schon eingangs zitierte Pfarrerin Almut Kunzmann, passend zum diesjährigen Reformationsjubiläum, Martin Luther mit den Worten: „Die Musik ist ein reines Geschenk – eine Gabe Gottes“. Und so erfüllten die Musiker des Barockbäserensembles, unter Leitung von Holger Weiß, bereits mit dem ersten kräftigen Ton Kirchenraum und Besucherohren auf wohltätige Weise mit „Ein feste Burg ist unser Gott“. In der fröhlich festlichen Stimmung dieses „Lutherhits“ ging es weiter mit „Wunderland bei Nacht“, einer Glanznummer für Trompeter. Dieses Stück aus dem Jahr 1959, komponiert von Klaus-Günter Neumann und populär geworden als „Wonderland by Night“ durch die Produktion Bert Kämpferts, eroberte in den 60 er Jahren die Hitliste der USA und brachte die Konzertbesucher auch an diesem herbstlich kalten Sonntagabend in sichtbare Schwingung.
Zur Erläuterung des Stückes „Allegro con Spirito“ von Joseph Haydn, strich der entspannt durch den Abend führende Moderator die humorvolle und liebenswürdig optimistische Persönlichkeit Haydns heraus: „Humor hat er gebraucht! Haydns Gattin hielt seine Arbeit für ganz und gar unnütz. Sie verwendete seine Noten bisweilen als Pastetenpapier.“. Dieses besondere Wesen findet im verschmitzt tänzerischen Crescendo Widerhall.
Nach „Consider me“ von Thomas Dorsey (1899 –1993), dem Vater des „Black Gospel“, dessen ruhiger Groove lange und schwüle Missisippinächte erahnen ließ, griffen die Barockbläser erneut in die Klassikkiste und präsentierten den „Rigaudon“ aus der Suite Nr. 3 der „Wassermusik“ von Georg Friedrich Händel. Diesem französischen Tanzstück folgte „Are you ready“, ein Swing aus der Feder Richard Roblees, einem zeitgenössischen Komponisten aus den USA. Tänzerisch inspirierend ging es weiter mit einer „Chaconne“, einem französischen Gesellschaftstanz, wiederum von Händel, in welchem er auf schmuckvolle Weise ein 8 Takte langes Thema in 10 verschiedenen Variationen verarbeitete. „Mein kleiner grüner Kaktus“, bekannter Schlager der „Comedian Harmonists“ aus den 30 Jahren beschloss den ersten Teil des Konzerts.
Erfrischt von Wein und Laugengebäck ging es nach der Pause für Musiker und Zuhörer mit „Hello Dolly“ weiter. Beeindruckend war die darauffolgende Präsentation des Lutherliedes „Verleih uns Frieden gnädiglich“, das den Konzertbesuchern in 3 verschiedenen Versionen nahe gebracht wurde. Unverkennbar im Renaissancestil war zunächst die Version Johann Eccards von 1597 zu hören Dieser aus Thüringen stammende Kapellmeister hatte bereits in jungen Jahren Venedig bereist und unter Orlando di Lasso in München gesungen, bevor er einige Jahre später von Jacob Fugger als Organist nach Augsburg geholt wurde.  1608 wurde er kurfürstlicher Kapellmeister und Domkantor in Berlin. Die eingeschobene Version des zeitgenössischen Musikers Matthias Nagel bot hier einen sehr guten Übergang zur populären Version von Felix Mendelsohn – Bartholdy, die seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert zu den Standardvokalwerken der geistlichen Musik gezählt werden kann.
Spannend emotional zwischen Trauer und Lebensfreude legte der Spiritual „Down by the riverside“ den Grundstein für das darauffolgende „Großer Gott wir loben Dich“, welches nach einem Vorspiel im Swing von Richard Roblee von der Gemeinde mitgesungen wurde. Mit Sonnenbrillen und schwarzer Kleidung unverkennbar im Stil der Blues Brothers spielten die Musiker am Ende des Konzertes „Everbody needs somebody“. Geschrieben 1964 von Bert Berns, Solomon Burke und Jerry Wexler wurde dieses Stück bekannt durch die Aufnahme in den Soundtrack von John Landis’ Film Blues Brothers im Jahr 1980. Hier brillierte Barockbläser - Perkussionist Roland Tente durch ein temperamentvolles Schlagzeugsolo.
Nach stürmischem Applaus der rund 100 Besucher an diesem Abend bedankten sich die 10 Akteure mit „Vielen Dank für die Blumen“, das viele der Zuhörer aus der Zeichentrickserie „Tom und Jerry“ in ihre Jugendtage versetzte.

Ingrid Mollnar