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Dass Kirche nicht nur zu Gottesdiensten genutzt werden kann, sondern auch zu anderen Gelegenheiten Menschen zusammenführt, zeigte das Konzert des 1. Akkordeonorchesters Pfeddersheim am 22.Oktober in der evangelischen Kirche Pfeddersheim. Vikarin Vanessa Bürmann, begrüßte die zahlreichen Besucher und Besucherinnen mit einem Zitat von Martin Luther, in welchem zum Ausdruck kommt, dass Musik das „kräftigste“ Mittel ist „alle Bewegungen des Gemütes im Zaum zu halten und zu regieren.“
Eröffnet wurde das Konzert mit der „Ouvertüre in D“ von Rudolf Würthner. Was zunächst langsam, hell und freundlich daherkam, wurde bald schneller und ließ dann mit einigen flotten Walzertakten das Bild einer erwachenden Stadt entstehen. Diesem Stück schloss sich sehr passend das Duett „Im Chambre Séparée“ des österreichischen Komponisten Richard Heuberger an, das durch die Verwechslungskomödie „Opernball“ von 1956 mit Johannes Heesters, Sonja Ziemann und Hans Moser Berühmtheit erlangte. Nach dem „spanischen Tanz Nr. 2“ von Moritz Moszkowski und einer Fuge von Georg Friedrich Händel klang das Adagio in A – Moll aus der Oper „La Traviata“ von Giuseppe Verdi sehr anrührend. Der sich ebenfalls größter Bekanntheit erfreuende „Triumphmarsch“ aus Verdis Oper „Aida“ schloss den ersten Teil, bestehend aus klassischen, Opern- und Operettenstücken, ab.
Im zweiten Abschnitt lag der Schwerpunkt auf der Tangomusik. Der klassische „Tango della Marquesa“ von Heinz Ehme voller Temperament präsentiert, klang sehr nach einem leidenschaftlichen Tanzabend. Dem modernen und spannenden „Tango pour Claude“ vom zeitgenössischen Jazzakkordeonisten Richard Galliano folgte wiederum ein klassischer „Tango sentimentale“ von Richard Würthner. Die langsamen und fließenden Bewegungen des argentinischen Tango spiegelten sich in den warmen, lang gezogenen Tönen des hervorragend gespielten Stückes „Oblivion“ von Astor Piazolla (1921 – 1992), der als Kind argentinischer Auswanderer in New York groß wurde, mit der Tangoleidenschaft seines Vaters aufwuchs und für Bach und Jazz schwärmte. Diese drei Elemente - Klassik, Jazz und argentinischer Tango - prägen seine Musik. Mit Leroy Andersons bekannten „Blue Tango“, geschrieben 1951, für welchen der Komponist seine erste goldene Schallplatte erhielt, schloss der offizielle Teil des Konzertes. Die begeisterten Besucher entlockten dem Akkordeonorchester mit langem Applaus und Standing Ovation eine Zugabe. Mit der Melodie aus dem Tschechischen Kinderfilm „3 Nüsse für Aschenputtel“, komponiert von Karel Svoboda verabschiedeten sich die Musiker mit einem märchenhaft verträumten Walzer.
Ingrid Mollnar