Advent 2

Musikalisch festlicher Gottesdienst am 2. Advent 2017 zwischen Moderne und Tradition
Während draußen der Neuschnee im Licht der Laternen funkelte, füllte sich der Kirchenraum nach und nach mit Besuchern. Die Mitglieder des Kirchenchores konnten wetterbedingt nicht zum Gottesdienst erscheinen. Chorleiter und Organist Dr. Henning Scharf reagierte gelassen und legte sich musikalisch an der Orgel ins Zeug. Schon zum Eingang interpretierte er „Oh Heiland, reiß die Himmel auf“, ein Adventslied aus dem 17. Jh., auf sehr spannende Weise jazzig modern und öffnete damit die Tür zu diesem besonderen Abendgottesdienst am 2. Adventssonntag.
Das Gott kein alter Mann ist, der im Himmel wohnt und die Geschicke der Welt lenkt, ist vielen bewusst. Dennoch ist die Verwendung unterschiedlicher Bezeichnungen für „Gott“ im traditionellen Gottesdienstablauf für die Besucher immer wieder eine sehr persönliche und horizonterweiternde Auseinandersetzung mit den häufig männlich geprägten Sprachelementen, die „Gott“ beigeordnet sind. So wird, wenn z.B. die Bibel in gerechter Sprache bei den Lesungen in Erscheinung tritt, aus dem „Vater“ eine „Mutter“, aus dem „Herr“ eine „Lebendige“, aus dem „Schöpfer“ wird die „Quelle des Lebens“. Wir hören nicht mehr von „ihm“, lassen nicht mehr „seinen Namen erklingen“, sondern „jubeln ihr zu“ und beten dann das „Vater und Mutter unser…“. Was die einen noch irritierend aufmerken lässt, ist bei anderen schon etablierte Sprache geworden. Was bei den einen vielleicht noch eine personifizierte Gottesvorstellung ins Wanken geraten lässt, ist bei anderen abstrahierte spirituelle Macht – die eigentlich gar keinem Geschlecht unterzuordnen ist.
Nun stellt sich an Weihnachten die Frage nach Jesus, dem Sohn Gottes, geboren die Menschheit zu erlösen. Von was erlösen? Hier setzte der Gottesdienst, gestaltet von den Frauen der evangelischen Gemeinde Pfeddersheim, am 2. Advent seine Marken: auch Jesus hat andere Namen. Viele davon finden wir in Bibeltexten und Kirchenliedern. Da ist vom „Christkind“, vom „Heiland“, vom „Friedensfürst“ die Rede. In Johannes 14,6 bezeichnet Jesus sich selbst als den „Weg, die Wahrheit und das Leben“. Mit jedem dieser Namen erweitert sich der Bedeutungsraum, in welchem wir Jesus begreifen können. Mit jedem seiner Namen ordnen wir Bereiche zu, in denen wir auf Erlösung hoffen. Das waren während des Abendgottesdienstes z.B. die „Befreiung“ – aus der Bedrängnis, der Knechtschaft. Das war der „Frieden im Großen, wie im Kleinen“. Das war der „Weg, die Schöpfung zu bewahren“, „die Wahrheit, die wir mit dem Herzen erkennen“ – ungeachtet manipulierender Informationen. Das war das „Leben in all seiner Vielfalt“. Das war der „Trost der ganzen Welt“, welcher auch im Gemeindegesang anklang, in der 4. Strophe des traditionellen Adventsgesanges „O Heiland, reiß die Himmel auf“.
Zu besonderer Festlichkeit trugen die Orgelsoli Herrn Scharfs mit klassischen Adventslieder bei, wie „Nun kommt der Heiden Heiland“ und „Es kommt ein Schiff geladen“. Mit einer tragenden Präsentation von „Maria durch ein Dornwald ging“ schloss der Gottesdienst.