Pfeddersheimer Glocke Zillien
Am ersten Advent konnte die evangelische Kirchengemeinde ein ganz besonderes Jubiläum feiern. Vor 250 Jahren erklang die Lutherglocke zum ersten Mal - zunächst noch in der lutheranischen Kirche (dem heutigen evangelischen Gemeindehaus) - später dann vom Kirchturm der Simultankirche. Im Got-tesdienst an diesem ersten Adventssonntag stand die Lutherglocke deshalb im Mittelpunkt. Pfarrerin Almut Kunzmann hob in ihrer Predigt die Bedeutung von Strukturen und Regel-mäßigkeiten für das alltägliche Leben der Menschen hervor und rief in Erinnerung, dass den Kirchenglocken bei dieser Strukturierung eine besondere Rolle zukommt. So läuten die Glocken nicht nur, um die Gemeindeglie-der in den Gottesdienst zu rufen, sondern auch zum Beginn des Tages oder mittags zur Essenszeit. Und nicht zuletzt markiert das Läuten beispielsweise bei der Taufe, die Ankunft eines Menschen in einer Gemeinde oder geleitet ihn nach seinem Tod hinüber in Gottes Ewigkeit.

Kirchenvorstandsmitglied Detlef Kettner warf in seinem Vortrag einen Blick auf die Geschichte der Lutherglocke. Ursprünglich wurde die 154 Kilogramm schwere und auf den Ton d‘‘ gestimmte Glocke für die lutheranische Kirche angeschafft. „Mich goß Johann Zimmermann in Mannheim. Diese Glocke wurde gegossen zur Ehre Gottes und zum Gebrauch der Pfeddersheimer Lutheraner im Jahre Christ 1769“ lautet übersetzt die auf der Glocke angebrachte lateinische Inschrift. Ebenfalls wurden auf der Glocke auch die Namen des damaligen Pfarrers Georg Zöller und der Kirchenvorstandsmitglieder verewigt. Bis zum Jahr 1839 befand sich die Lutherglocke gemeinsam mit einer weiteren Glocke im Dachreiter der lutheranischen Kirche. Als sich dieser als baufällig erwies und abgetragen werden musste, wurde die Lutherglocke im Turm der Simultankirche aufgehängt, während der Verbleib ihrer Schwesterglocke ungeklärt ist. Bis zum heutigen Tag - also seit 180 Jahren - befindet sich die Lutherglocke nun im Turm der Simultankirche und erklingt immer dann, wenn im Gottesdienst das Vaterunser gebetet wird.

Detlef Kettner dankte zum Abschluss seines Vortrags dem Pfeddersheimer Heimatforscher Felix Zillien, der die Geschichte der Lutherkirche recherchiert und seine Forschungsergebnisse für den Vortrag zur Verfügung gestellt hatte.

Foto: Felix Zillien